Ein Tiger in Bernau?

September 30, 2015

Das ist eine gute Frage: Wie kommt ein Tigerbaby nach Bernau bei Berlin? Es soll zwar wieder Wölfe in Brandenburg geben, aber von Tigern ist nichts bekannt.

Es klingelte an der Tür bei Dr. Doris Tesch und vor dem Gartentor stand ein Körbchen. Als Tierärztin ist Frau Tesch einige Überraschungen gewöhnt, aber in diesem Fall traute sie ihren Augen kaum. Auf ihrem Behandlungstisch lag kein herkömmlicher Stubentiger, sondern ein 1400g schwerer und neu geborener Tiger. Der erste Tiger in ihrer Kleintierpraxis.

Das Tigerbaby brauchte dringend veterinärmedizinische Hilfe. Sehr schwach, völlig dehydriert, in Seitenlage, krampfend und mit Nierenversagen lag es vor ihr. Nach Schätzung war es fünf Tage alt und die Augen waren noch geschlossen. Es nahm keine Nahrung zu sich und es stellte sich die Frage, ob es eine Überlebenschance hat.

Es folgten zwei Tage lang Intensivbehandlung mit Infusion und Aufenthalt in einer Sauerstoffbox. Im Zwei-Stunden-Rhythmus bekam es tröpfchenweise 40 Milliliter Milch pro Mahlzeit. So gelang es ihr mit viel Geduld und schlaflosen Nächten, dass Diego – der Tiger ausreichend Nahrung aufnahm und sich erholte.

Der Tiger wurde vom Veterinäramt beschlagnahmt und in der Tierarztpraxis sichergestellt. Tierpark und Zoo sahen keine Möglichkeit, das Tigerbaby zu beherbergen. Jedoch stehen erfahrene Tierärzte des Eberswalder Zoos und des Berliner Tierparks im ständigen Austausch mit Frau Dr. Tesch und beraten sie fachkundig.
Diegos Gesundheit stabilisierte sich zunehmend und der Aufwand für die Tierärztin reduzierte sich.

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